Durchschnittsökonomie: Kleine Unterschiede bestimmen großes Schicksal
- Dr.Hakan Tetik
- 1. Juli
- 3 Min. Lesezeit

Wenn man die Weltmeisterschaft aus einer strategischen Perspektive betrachtet, werden einige Details deutlicher.
Manchmal geht es bei einem Spiel nicht nur um Sieg oder Niederlage.
Manchmal kann ein Tor, ein Punkt, eine Tordifferenz, eine gelbe Karte oder eine Chance in letzter Minute das ganze Spiel verändern.
Das sehen wir ganz deutlich bei Turnieren.
Eine Mannschaft kann die gleiche Punktzahl haben, aber aufgrund der besseren Tordifferenz vorne liegen.
Eine Mannschaft kann nicht aus der Gruppe aufsteigen, weil ihr ein Tor fehlt.
Eine Mannschaft hat im nächsten Spiel den Vorteil, weil sie ein Tor mehr erzielt hat.
Eine Mannschaft überlebt, weil sie keine schwere Niederlage erlitten hat.
Ein Team scheidet aus, weil es ein scheinbar kleines Detail nicht beachtet hat.
Das nenne ich die „durchschnittliche Wirtschaft“.
Denn sowohl im Fußball als auch in der Geschäftswelt werden große Schicksale oft durch kleine Unterschiede entschieden.
Ist das in der Geschäftswelt nicht genauso?
Die beiden Unternehmen könnten im selben Markt tätig sein.
Sie können ähnliche Produkte verkaufen.
Sie können ein ähnliches Kundensegment ansprechen.
Sie können auf einem ähnlichen Preisniveau konkurrieren.
Es kann ähnliche Technologien nutzen.
Einer von ihnen trifft jedoch schnellere Entscheidungen.
Jemand hört dem Kunden etwas genauer zu.
Einer von ihnen löst die Beschwerde etwas schneller.
Einer von ihnen kommt mit den Kosten etwas besser zurecht.
Jemand bereitet das Vertriebsteam etwas besser vor.
Jemand könnte die Lagerumschlagsrate besser konfigurieren.
Eine davon genießt in den Augen des Kunden einen etwas klareren Platz.
Und mit der Zeit können sich diese kleinen Unterschiede zu großen Ergebnissen auswachsen.
Manchmal sind es nicht große strategische Fehler, die Unternehmen zu Fall bringen.
Es ist die Anhäufung kleiner Versäumnisse.
Langsame Entscheidungen.
Unklare Prioritäten.
Unorganisierte Treffen.
Unzureichend erfasste Kundendaten.
Verzögerte Reaktionen.
Unklare Verantwortlichkeiten.
Nicht gemessene Leistungsindikatoren.
Energie wird am falschen Ort verschwendet.
Jeder dieser Punkte mag für sich genommen klein erscheinen.
Wenn sich das aber anhäuft, ruiniert es den Durchschnittswert des Unternehmens.
Im Fußball ist die Tordifferenz mehr als nur eine Zahl auf der Anzeigetafel.
Es spiegelt die Spielqualität, Disziplin, das Risikomanagement und die Fähigkeit des Teams wider, Chancen zu nutzen.
Auch in der Geschäftswelt gibt es Durchschnittswerte.
Die Bruttomarge ist der Durchschnitt.
Die Kundenabwanderungsrate ist durchschnittlich.
Der Cash-Conversion-Rate ist durchschnittlich.
Die Erfolgsquote bei Geboten ist durchschnittlich.
Die Mitarbeiterzufriedenheit ist durchschnittlich.
Die Bearbeitungszeit für Kundenbeschwerden ist durchschnittlich.
Die Markteinführungsgeschwindigkeit ist durchschnittlich.
Die Qualität der Entscheidungsfindung ist durchschnittlich.
Die großen Ergebnisse verbergen sich oft in diesen kleinen Indikatoren.
Deshalb müssen Führungskräfte nicht nur die großen Ziele im Blick behalten, sondern auch die kleinen Unterschiede.
Denn in dieser neuen Ära des Wettbewerbs reicht es nicht mehr aus, einfach nur zu "gewinnen".
Wie man es verdient, ist ebenfalls wichtig.
Die Höhe des Sieges ist ebenfalls wichtig.
Auch der Energieaufwand, den Sie dafür betreiben müssen, ist wichtig.
Es ist außerdem wichtig, Ihr aktuelles Leistungsniveau zu berücksichtigen, wenn Sie zum nächsten Spiel übergehen.
Manchmal wachsen Unternehmen, aber dann werden sie müde.
Die Umsätze steigen, aber die Gewinnmargen sinken.
Der Marktanteil steigt, aber die Kundenbindung nimmt ab.
Der Umsatz steigt, aber die Organisationskapazität ist erschöpft.
Ein neues Produkt wird auf den Markt gebracht, doch die Markenklarheit leidet.
Das Ergebnis sieht also gut aus, aber die Tordifferenz verschlechtert sich.
Hier beginnt strategische Führung.
Es ist wichtig, nicht nur auf das Ergebnis zu schauen, sondern auch auf das System, das hinter dem Ergebnis steht.
Ich schaue mir keine Spiele an.
Ich lese gerade über die neue Natur des Wettbewerbs.



Kommentare