Die wichtigsten Erkenntnisse aus Hararis Rede und Antwort beim WEF in Davos bezüglich der Führungsebene
- Dr.Hakan Tetik
- vor 2 Tagen
- 4 Min. Lesezeit
Im Zeitalter der künstlichen Intelligenz ist es nicht die Geschwindigkeit, sondern die Dominanz, die zum Sieg führt.

Meine Hauptbotschaft lautet: Das Ziel sollte darin bestehen, KI in die Organisation zu integrieren, nicht um der Geschwindigkeit willen, sondern um Wertschöpfung, Vertrauen und nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit zu erzielen.
Ein Großteil der heutigen KI-Diskussion lässt sich auf die Frage reduzieren: „Wie schnell sind wir?“
Die wichtigste Botschaft aus Davos lautet jedoch: Geschwindigkeit ist kein Wettbewerbsvorteil mehr, sondern ein Hygienefaktor.
Der eigentliche Unterschied liegt darin, in welchen Entscheidungen KI eingesetzt wird, innerhalb welcher Grenzen und unter welcher Steuerung.
1) Zwei Krisen = Zwei Managementfragen
A) Identitätskrise (Werte und Rollen)
Basieren die Wertschöpfungsmechanismen der Organisation auf menschlicher Intelligenz oder auf System- und Prozessgestaltung ?
Wie gelingt es uns, Menschen von einer Rolle als „Umsetzer“ hin zu einer Rolle zu bewegen , die die Qualität von Entscheidungen verbessert (Validierung, Rahmung, Generierung von Optionen)?
Bei dieser Frage geht es weniger um Kompetenz als vielmehr um Identität. Denn im Zeitalter der KI entsteht Wettbewerb nicht durch Organisationen, die „am meisten wissen“, sondern durch diejenigen, die „die richtigen Fragen stellen können“.
Die Rolle der Menschheit muss nicht abnehmen; sie muss auf ein höheres kognitives Niveau gehoben werden.
B) Migrationskrise (KI-Arbeiter / KI-Agenten)
Eine neue Art von Arbeitskräften hält Einzug in die Organisation: KI-Agenten, Co-Piloten und Automatisierungen .
Managementfrage: Wer wird sich einbringen, mit welcher Befugnis, wer wird die Aufsicht führen und wann werden diese Personen aus dem System entfernt?
Man kann es sich wie bei der menschlichen Migration vorstellen: „Qualifizierte Migration“ fördert das Wachstum eines Landes; „unkontrollierte Migration“ belastet das System. Mit KI verhält es sich genauso.
Der entscheidende Unterschied liegt darin, dass die Migration von Menschen zeitlich begrenzt ist, die Migration von KI hingegen keine Grenzen kennt. Man kann Hunderte von „digitalen Arbeitskräften“ innerhalb eines einzigen Tages in das System integrieren. Daher liegt das Problem nicht in der Technologie selbst, sondern darin, wen man einsetzt, in welchem Umfang und unter welchen Bedingungen.
2) Managementprinzipien (5 Regeln)
Vertrauen kommt an erster Stelle, dann die Geschwindigkeit. (Beschleunigung ist einfach; Reputationsverlust ist teuer.)
Ein KI-bedingter Fehler unterscheidet sich von einem klassischen operativen Fehler: Er ist sichtbarer, verbreitet sich schneller und ist schwieriger zu beheben. Daher ist Vertrauen nicht nur eine ethische Frage, sondern auch ein Schlüsselaspekt des Finanzrisikomanagements.
Mensch + KI = Standard für ein hybrides Team. (Nicht KI allein oder Mensch allein.)
Die besten Ergebnisse erzielen Modelle, bei denen die Entscheidungsfindung durch KI unterstützt wird, die Verantwortung aber beim Menschen verbleibt. Wird dieses Gleichgewicht gestört, geht entweder Geschwindigkeit verloren, während die Kontrolle verloren geht, oder die Kontrolle bleibt erhalten, ohne dass Wertschöpfung möglich ist.
Autorität = Daten + Entscheidungsfindung + Geld. Der Zugang zu allen drei sollte gestaffelt sein .
Was eine KI leisten kann, ist genauso wichtig wie der Zugriff auf Daten. Autorität sollte nicht allein durch ihre „Funktion“, sondern durch das damit verbundene Risiko definiert werden.
Die Möglichkeit zum Rückgängigmachen ist unerlässlich. Jede kritische KI-Implementierung sollte über eine „Stopp-/Rückgängig-Funktion“ verfügen .
Jede Automatisierung, die sich nicht rückgängig machen lässt, stellt aus Governance-Sicht einen blinden Fleck dar. Gute Governance erfordert daher nicht nur die Planung des Starts, sondern auch des Stopps.
Skalieren Sie es, indem Sie es beweisen. Pilotprojekt → Messung → Inspektion → Verbreitung.
Bei KI-Projekten ist eine zu frühe Skalierung einer der kostspieligsten Fehler. Skaliert werden muss nicht die Technologie, sondern der bewährte Nutzen und die Kontrollmechanismen.
3) „KI-Migrationspolitik“: 10 kritische Fragen an den Vorstand
Was wird diese KI leisten? Inhalte, Analysen, Entscheidungsvorschläge, automatisierte Prozesse?
Welche Ressourcen werden genutzt? Öffentliche Daten / interne Daten / Kundendaten – welche?
Welche Reichweite hat KI ? ( Liest / schlägt vor / implementiert )
Wenn KI Operationen selbstständig durchführen kann , ab welcher Schwelle ist eine doppelte Verifizierung zwingend erforderlich?
In welchen Prozessen ist seine Verwendung verboten ? (Recht, Preisgestaltung, Personalbeschaffung, Kreditwesen, Gesundheitswesen usw.)
Sind die „roten Zonen“ klar definiert? (Gesetzgebung, Diskriminierung, Informationssicherheit, Reputation)
Werden die KI-Ausgaben überwacht ? (Protokolle, Anweisungen, Datenquelle, Versionskontrolle)
Wenn sie etwas Fehlerhaftes produzieren , wer ist dann der „Geschäftsinhaber “ , wer der „Risikoträger“ und wer der „Technologieinhaber“ ?
Was sind die Sicherheitsauslöser ? (Beschwerden, Ausfallrate, Sicherheitsvorfall, Medien-/Reputationsrisiko)
Kann die Aussetzungs-/Rückgängigmachungsprozedur an einem Tag abgeschlossen werden ?
4) Was sollten wir messen? (Indikatoren der Führungsebene)
Der Erfolg von KI-Investitionen hängt davon ab, ob sie anhand der richtigen KPIs überwacht werden. Falsche Kennzahlen können selbst die beste Technologie zum Scheitern bringen.
Nutzen: Zeitersparnis → Kosten/Geschwindigkeit; Umsatzauswirkungen (potenzieller Kunde, Konversion, Abbruch)
Qualität: Fehlerrate, Nacharbeit, Verifizierungserfolg
Vertrauen: Anzahl der Beschwerden, Reputationsrisiko, Anzahl der Vorfälle von „Fake Production“ (Halluzinationen).
Akzeptanz: Aktive-Nutzer-Rate, wöchentliche Nutzung, Schulungsabschluss
Governance: Registrierungsabdeckung (%), Anzahl unautorisierter Nutzungen, Richtlinienverstöße
Diese Indikatoren zeigen uns, dass der Erfolg von KI keine rein technische Leistung, sondern ein Ergebnis des Managements ist. Unabhängig von der Qualität des Modells: Werden Wert, Vertrauen und Governance nicht gleichzeitig überwacht, häuft die Organisation unbewusst Risiken an.
Für Führungskräfte der obersten Ebene lautet die eigentliche Frage nicht: „Funktioniert KI?“, sondern: „Funktioniert KI am richtigen Ort, innerhalb der richtigen Grenzen und mit der richtigen Wirkung?“
5) Diejenigen, die die Kontrolle erlangen, nicht die Geschwindigkeit, werden überleben.
Die gemeinsame Botschaft, die sich aus Davos und Hararis Rahmenwerk ergibt, ist eindeutig: Im Zeitalter der KI werden nicht die Schnellsten, sondern die am besten Informierten die Gewinner sein.
Organisationen, die künstliche Intelligenz lediglich als Produktivitätswerkzeug betrachten, mögen kurzfristig an Bedeutung gewinnen. Doch diejenigen, die sie als Grundlage für Entscheidungsfindung, Autorität und Unternehmensführung nutzen, werden langfristig Vertrauen, Reputation und nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit aufbauen.
Die eigentliche Frage lautet also nicht: „Wie schnell haben wir KI integriert?“
Die eigentliche Frage lautet: „In wessen Auftrag, innerhalb welcher Grenzen und zu welchem Preis trifft die KI Entscheidungen innerhalb unserer Organisation?“
Organisationen, die diese Frage klar beantworten können, sind nicht nur in der Lage, die Gegenwart, sondern auch die ungewisse Zukunft zu bewältigen.







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